DesignItaldesign ist einer der im Umfeld von Turin ansässigen Autodesigner. Eine Reportage

Es ist kein Zufall, dass gerade in der Umgebung von Turin die Anhäufung von designfirmen aus dem automotiven Bereich so groß ist, hat doch der Standort eine lange Geschichte. Nicht nur Fiat hatte sich dort angesiedelt sondern auch recht bald eine erkleckliche anzahl von Karosseuren, die in einer Zeit, als die meisten Hersteller auf Wunsch nur fahrfertige Chassis lieferten, für die Einkleidung der Autos sorgten. Aus diesen Betrieben entstanden dann nach und nach diverse Designer, die sich auf Fahrzeuge spezialisierten. Eine davon ist Italdesign Giugiaro. Das Unternehmen wurde 1968 von Giorgetto Giugiaro und Aldo Mantovani als Planungsbüro mit innovativen Ideen für die Automobilbranche gegründet und ist seit 2010 im Besitz von Audi. In seiner fast 50 Jährigen hat sich das Leitbild kaum verändert. Man sieht sich als Dienstleister der Automobilindustrie, für die man mannigfaltigen Aufgaben übernimmt. Bereits 1971 konnte mit dem Alfasud von Alfa Romeo das erste große Projekt gestemmt werden. Seither sind mehr als 200 Designs für rund 50 Millionen Serienautos der weltweit führenden Automobilhersteller entstanden. Derzeit werken etwa 1.000 Personen in den Hallen in dem kleinen Ort Moncalieri bei Turin, davon sind etwa 800 mit der technik und dem Design beschäftigt, der Rest entfällt auf die Verwaltung. Zu den Kunden zählen neben den Audi Hausmarken Audi, VW, Lamborghini, Skoda und Seat auch etwa Hyundai, Toyota BMW oder Mini. Die Leistungsumfänge sind extrem vielfältig und reichen Vom Bau von Holz- oder Tonmodellen im Maßstab 1:1 über den Bau von Prototypen und Studien etwa für Messen und Ausstellungen bis hin zu fahrfertigen Prototypen. Derzeit etwa werden einige spezielle Audi A7 zusammengebaut, die zwar wie das aktuelle Modell aussehen, aber deren Innenleben dem der demnächst auf den Markt kommenden Modelle entspricht. So ist es den Audi Technikern möglich, Tests auf öffentlichen Straßen durchzuführen, ohne diversen Erlkönig- Jägern aufzufallen. Weiters baut man in einer kleinen Halle an fünf Exemplaren des hauseigenen Zerouno, der auf dem Lamborghini Huracan bzw. des Audi R8 basiert und nicht nur exklusiv, sondern auch extrem leicht ist. Das Auto wurde auf dem Genfer Salon 2017 vorgestellt, wo es große Beachtung fand. Ebenfalls viel beachtet am Salon wurde eine in den Hallen von Italdsign im Auftrag von Airbus hergestellte Studie namens Popup. Hier handelt es sich um ein Fahrzeug der Zukunft, das sowohl auf Rädern, auf Schienen und in der Luft bewegt werden kann. Es kann zwei Personen beherbergen und fährt beziehungsweise fliegt natürlich autonom.

 



Wesentlich bodenständiger waren in der letzten Zeit Aufträge wie die Finalisierung des neuen Audi A2 und des Mini Countryman. Deren Vorserien Prototypen wurden im Werk Nichelino unweit des Stammsitzes gebaut, hier ist man in der Lage, im Jahr etwa 500 Rohkarosserien und über 200 fahrbereite Prototypen zu bauen. Das hört sich nicht nach viel an, doch muss man bedenken, dass es sich hier meist um reine Handarbeit handelt. So werden viele Karosserieteile mit der Hand in Form geklopft oder Motorteile mühsam mehr oder minder händisch gefräst. Oft wird aber nicht ein komplettes Auto gebaut, sondern einzelne Elemente fertig entwickelt, um die Entwicklungsabteilungen der Werke selbst zu entlasten. Dazu kommen noch einige ebenfalls im Umfeld sitzende Zulieferer, wie etwa Spezialisten für Sitze oder Bezüge, die zuarbeiten. Diskretion ist oberstes Gebot, oft wissen die einen Mitarbeiter nicht, woran die Kollegen arbeiten. So wird auch ausnahmslos bei jedem Smartphone die kamera abgeklebt, auch bei den ranghöchsten Mitarbeitern. „Bis zu 20 Projekte gleichzeitig werden hier oft abgewickelt“, erklärt uns CEO Jörg Astalosch, die Logistik ist oft mehr als schwierig.    

Ein wichtiger Teil von Italdesign ist auch das virtuelle Studio, wo sich potentielle Kunden schon vorab ihre Fahrzeuge in 3D ansehen können. Übrigens wird neben Autos auch an anderen Produkten gearbeitet, so wurde von Motorradhelmen über Waschmaschinen bis hin zur Pasta schon ein beachtliche Spektrum abgedeckt. Eine kleine Ahnung kann man im werkseigenen Museum bekommen, wo einige dieser Preziosen ausgestellt sind.