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In der Fünfziger Jahren stellten einige Firmen wie etwa Glas oder NSU die Produktion von Rollern auf Autos um. Seat geht nun den umgekehrten Weg, zumindest mit einem neuen Produkt: einem Scooter namens Mó

Als die ersten Meldungen vom Seat Roller langsam durchdrangen, glaubte man sie in der Fachwelt zuerst nicht. Doch er ist Wahrheit geworden und nun steht er vor mir, das Zweirad vom spanischen VW Ableger Seat. Dazu wurde sogar eine eigene Sparte gegründet. Und man erwartet sich regen Zuspruch. Staus, konsequente Parkraumbewirtschaftung und viele andere Restriktionen treiben immer mehr Autofahrer aufs Zweirad. Vor allem in Süden ist dies schon länger üblich. So hat etwa Mailand seit Jahren den 16- fachen Rollerbestand als Wien bei ungefähr gleich vielen Regentagen, die Durchschnittstemperaturen sind hierzulande nur geringfügig niedriger. Auch im Norden Spaniens ist die Situation ähnlich. So ist man bei Seat überzeugt, man müsse hier neue Wege beschreiten. – Etwa mit Elektrorollern.

Natürlich entwickelt auch ein versierter Automobilhersteller wie Seat nicht einfach binnen 3 Jahren ein derartiges Fahrzeug (Startschuss des Mó-Projekts war 2018), sondern man holte sich Unterstützung in Form des ebenfalls in Barcelona beheimateten Elektro-Spezialisten Silence und baute auf dieser Basis einen mehr oder weniger eigenständigen Scooter auf. Der Mó e-Scooter 125 erhebt damit den Anspruch qualitativ sofort in der Premium-Liga zu spielen: Die Konkurrenz sieht man daher eher bei den arrivierten Motorradherstellern wie Honda und Yamaha, als bei den derzeit den Markt überschwemmenden chinesischen Produkten. Dennoch präsentiert man sich optisch mit Voll-LED und kreisrundem Tagfahrlicht eindeutig als futuristisches Elektro-Gefährt.

Mit einer Dauerleistung von 7 kW einer Spitzenleistung von 9 kW sowie einem Gewicht von 152 Kg spielt man durchaus in der Verbrenner- motorisierten A1 Liga mit. Dem direkt am Hinterrad verbauten 5,6 kWh E-Motor sei Dank ist die Leistung zudem vom Stand weg verfügbar (0-50 km/h in 3,9 Sekunden). Einstellbar sind drei Fahr-Modi: ECO (Geschwindigkeit auf 64 km/h beschränkt), City (Geschwindigkeit auf 80 km/h beschränkt) und Sport (Höchstgeschwindigkeit 95 km/h - 102 km/h am Tacho waren drin). Die maximale Reichweite unter Laborbedingungen wird im ECO Modus mit 137 km angegeben, im City-Modus sind es etwa 105 Kilometer und im Sport-Modus ungefähr deren 80.

Mit 152 Kilogramm Lebendgewicht ist der MO 125 nicht unbedingt leicht. Allerdings ist der relativ schwere Akku tief im Fahrzeug verbaut, was den Schwerpunkt senkt und den Mó in Kombination mit der Scooter-typischen Bereifung (15 Zoll vorne und 14 Zoll hinten) von Pirelli zu einem wendigen Fahrzeug macht. Dazu kommt ein relativ langer Radstand, der wiederum für Stabilität im Geradeauslauf sorgt. Die Beschleunigung unterscheidet sich stark je nach gewähltem Fahrmodus. Will man nicht von flotten Pedalisten ausgebremst werden, sollte man in den Modi Sport oder City bleiben, was natürlich zu Lasten der Reichweite geht. 100 Kilometer sollten aber immer drin sein.

In der Praxis kristallisierte sich der City-Modus als bester Kompromiss für die Stadt heraus. Im Sportmodus ist die Rekuperation beim vom-Gas-gehen doch sehr stark spürbar, beim sportlichen Landstraßenritt passt das wunderbar, ein genüssliches Gleiten durch den Stadtverkehr ist so allerdings kaum möglich. Im City-Modus greift die Rekuperation hingegen nur beim Betätigen der Bremse unterstützend ein und im ECO-Modus (unverständlicher Weise) gar nicht. Sehr angenehm ist auch die Tatsache, dass man den Modus auch im Fahrbetrieb wechseln kann, die Konkurrenz kann das meist nicht. Wohl dem doch recht hohen Gewicht hat man mit einem per Knopfdruck aktivierbaren Rückwärtsgang Rechnung getragen.

Der 41 Kilogramm schwere Li-Io-Akku ist rundum mit Innovationen vollgepackt. Er kann , wenn der Roller am Hauptständer aufgebockt ist, einfach wie ein Trolley entfernt und zum Laden nach Hause mitgenommen werden. Er erfüllt natürlich alle Sicherheitsstandards und kann theoretisch auch als gigantische Powerbank genutzt werden. Drückt man in die Mitte des LED-Kreises, zeigt er den Ladestand an. Eine vollständige Ladung an einer haushaltsüblichen Steckdose dauert zwischen 6 und 8 Stunden, eine Schnelllade-Funktion ist nicht vorgesehen. Etwas mickrig ist allerdings die Abdeckung der Ladebuchse am Roller selbst, hier hätte man sich auch noch etwas Pfiffigeres einfallen lassen können. Seat gewährt übrigens neben 2 Jahren Garantie auf das Fahrzeug 4 Jahre Garantie auf den Akku (Voraussetzung dafür ist zumindest eine vollständige Ladung pro Monat).

Doch das ist noch nicht alles. Neben einem Paneel, das übersichtlich alle Funktionen des Rollers im Blickfeld des Fahrers anzeigt, kann über eine Smartphone-App die Fahrer von umfangreichen Steuerungsmöglichkeiten profitieren. Einmal heruntergeladen und registriert, ermöglicht die App den Zugriff auf viele Funktionen und zusätzliche Fahrzeugdaten, beispielsweise sind Standort (Parkposition und Live-Tracking) und Batteriestatus in Echtzeit verfügbar.

Zum Schluss noch der Preis: den Seat- Scooter gibt es um 6.699 Euro. Davon kann die staatliche Förderung von 700 Euro auf E-Motorräder (L3e) abgezogen werden, wodurch sich in Österreich ein Einstiegspreis von 5.999 Euro ergibt. Als Zubehör kann man extra dazu ein Windschild, Smartphone-Halter, Top-Case und Helm mit Smart-Light ordern. Zu bekommen ist der pfiffige Roller über drei Vertriebskanäle: entweder man pilgert zu den Händlern Seat Wien-Liesing oder Seat Salzburg oder man ordert ihn Online mit kostenloser Lieferung nach Hause. Ein Video-Tutorial gibt’s natürlich dazu…