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KTM Comet Grand Prix 125 RS- Frühe Straßenträume aus Mattighofen

KTM und die Straße, das war in den Siebziger Jahren noch ein eher heikles Thema. Seit Ende der Fünfziger hatte man kein Straßenmodell mehr am Markt, 1960 wurde die Motorradproduktion in Mattighofen eingestellt und man konzentrierte sich auf Mopeds, Roller und die Comet-Kleinkrafträder mit 50 ccm, die bereits von 16-Jährigen gefahren werden durften und für die hohe Absatzzahlen zu erwarten waren. Als sich ein neuer Motorrad-Boom abzuzeichnen begann, überlegte man sich auch in Oberösterreich, wie man hier mitmischen konnte. Einzelne Modelle in geringen Stückzahlen für den Export mit dem 50er Rahmen und dem 100erter oder 125er Sachs-Motor gab es, aber ein „echtes“ Motorrad hatte man nicht im Programm. Das änderte sich, als man auf der Wiener Frühjahrsmesse 1975 überraschend die Comet Grand Prix 125 RS präsentierte. Mit einem Doppelschleifenrohrrahmen, einer hochwertigen Ceriani Gabel, den damals hochmodernen Gussrädern aus eigener Fertigung und einer Scheibenbremse im Vorderrad war die Viertelliter-Maschine auf der Höhe der Zeit, der moderne Sachs-Motor mit 17 PS Leistung und einem sechsgang-Getriebe ebenfalls. Auch das Design mit der Gold-Schwarzen Lackierung war angesagt, an den „John Player“-look der Lotus Rennautos. Als Zielgruppe sah man Motorrad- Ein- und Wiedersteiger, etwa Leute die vor 1955 den B-Schein für Autos gemacht hatten und damit den Motorradschein bis 175 cm³ „dazubekamen“. Mit einem Gewicht von nur 103 Kilogramm sind die versprochenen Beschleunigungswerte einer 250er durchaus glaubhaft, auch die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h passte dazu.

Doch es gibt einen Haken. Anfänger müssen einen „großen“ Motorradschein besitzen, eine wie heute übliche 125er Fahrberechtigung gibt es für 18Jährige nicht. Zudem ist die Versicherung in Österreich recht teuer, da kann man auch gleich zu hubraumstärkeren Modellen greifen, auch der Preis von etwa 23.000 ÖS (ca. 1.800 Euro) ist nicht von Pappe. So fristet die „Grand Prix“ eine Mauerblümchendasein in den Schaufenstern der Händler, da nützt auch die bald nachgelieferte zweite Scheibenbremse im Hinterrad wenig. Schon nach einem Jahr wird die 125er wieder eingestellt, über genaue Stückzahlen gibt es unterschiedliche Informationen, sie dürften sich aber im unteren dreistelligen Bereich gehalten haben. Mit Straßenmodellen beschäftigte man sich bei KTM erst wieder Anfang der Neunziger Jahre mit der legendären Duke. Aber das ist eine andere Geschichte….

Franz Farkas

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