Stellantis Austria Jahresauftakt-Pressekonferenz- Von Herausforderungen und Erfolg

Welche Herausforderungen und Lösungsansätze die Automobilbranche aktuell prägen, war zentrales Thema einer Pressekonferenz, bei der Stellantis Austria Gast in der Italienischen Botschaft in Wien war. Man verwies aber auch auf ein erfolgreiches Jahr 2025 in Österreich und bot einen Ausblick auf 2026.

Ein besonderer Akzent der Veranstaltung lag auf der Wichtigkeit der europäischen Automobilindustrie. S.E. Giovanni Pugliese, Botschafter der Republik Italien, unterstrich in seiner Rede die zentrale wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der europäischen Automobilindustrie. Managing Director Stellantis Austria Markus Wildeis beleuchtete die Auswirkungen von Transformation, Regulierung und Marktveränderungen auf Industrie, Handel und Kundinnen und Kunden.

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Dazu führte der Wildeis näher aus: „Die Automobilbranche in Österreich steht vor mehreren gleichzeitigen Herausforderungen: eine anhaltende wirtschaftliche Flaute, besonders im Bereich der Industrie, und die damit verbundene Verunsicherung bremsen weiter den Markt, während der Fahrzeugbestand kontinuierlich altert. Gleichzeitig führt die fehlende klare Richtungsvorgabe bei der Transformation zur Elektromobilität zu erhöhter Verunsicherung bei Kundinnen und Kunden. Steigende Kosten, besonders die Energiekosten, Fachkräftemangel und zunehmender Wettbewerbsdruck verschärfen die Situation zusätzlich. Um Investitionen und Markterholung zu ermöglichen, braucht es stabile, verlässliche Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit von Industrie, Handel und Politik.“

Eines ist klar: der europäische Neuwagenmarkt ist seit 2019 strukturell eingebrochen. Während vor der Covid-19-Pandemie jährlich rund 18 Millionen Neufahrzeuge (PKW und leichte Nutzfahrzeuge) in Europa verkauft wurden, liegt das Marktvolumen seit 2020 deutlich darunter. In den Jahren 2020 bis 2025 schwankte der Absatz zwischen 12,9 Millionen Fahrzeugen und 15,1 Millionen Einheiten 2025. In den vergangenen fünf Jahren fehlen dem Markt damit insgesamt rund 20 Millionen Fahrzeuge, die nicht verkauft wurden. Diese Entwicklung belastet die gesamte Wertschöpfungskette – von Industrie, Handel und Werkstätten bis hin zu den Staaten, die geringere Steuereinnahmen verzeichnen. Gleichzeitig führt der anhaltende Nachfragerückgang zu Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten. Ein weiterer Effekt ist die mit dem Absatzrückgang einhergehende, zunehmende Überalterung des Fahrzeugbestands. Die notwendige Erneuerung hin zu moderneren, sichereren und emissionsärmeren Fahrzeugen bleibt aus – mit negativen Folgen für Klimaziele, Umwelt und Verkehrssicherheit. Der Marktrückgang ist damit nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein ökologisches Problem. Da neben Elektrisch angetriebenen Fahrzeugen natürlich auch weiterhin Autos mit Hybrid und-reinen Verbrennern gefertigt werden müssen, stehen alle Automobilhersteller vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Diese technologische Mehrgleisigkeit führt zu steigenden Komplexitäten in Produktion, Logistik und Lieferketten und verursacht deutlich höhere Kosten. Die daraus resultierenden Mehraufwendungen wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie und auch auf die Fahrzeugpreise aus. Damit schwächen sie die europäische Automobilindustrie und erschweren in einem ohnehin angespannten Marktumfeld die breite Erneuerung des Fahrzeugbestands. Dazu kommt die steigende Konkurrenz aus Fernost. Vor allem Chinesische Automobilhersteller haben ihren Marktanteil in Europa bereits auf über fünf Prozent ausgebaut – mit weiter steigender Tendenz. Treiber dieses Wachstums sind zum einen sehr hohe Produktionskapazitäten in China, zum anderen umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich erhöhen. Nachdem sich die Marktexpansion zunächst stark auf vollelektrische Fahrzeuge konzentrierte, hat sich die Dynamik infolge der Einführung europäischer Importzölle verschoben. Zunehmend rücken Hybridmodelle in den Fokus chinesischer Anbieter und verzeichnen derzeit die höchsten Wachstumsraten im europäischen Markt. Branchenanalysten prognostizieren, dass der Anteil chinesischer Automobilmarken am europäischen Markt bis 2030 auf etwa 12 Prozent wachsen könnte.

Der europäische Markt für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) entwickelt sich weiterhin uneinheitlich. Während Europa insgesamt aktuell einen durchschnittlichen BEV-Anteil von rund 18 Prozent erreicht, zeigen sich zwischen den einzelnen Regionen deutliche Unterschiede in Marktdurchdringung, Regulierung und Transformationstempo. Besonders Nordeuropa nimmt eine Vorreiterrolle ein: Mit einem BEV-Anteil von mehr als 70 Prozent ist die Elektrifizierung des Neuwagenmarkts dort bereits weit fortgeschritten. Westeuropa liegt mit mehr als 20 Prozent BEV-Anteil im Mittelfeld und verzeichnet eine kontinuierliche, aber moderatere Entwicklung. Deutlich langsamer verläuft die Transformation in Süd- und Osteuropa, wo der BEV-Anteil aktuell unter 10 Prozent liegt. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Kaufkraft, Ladeinfrastruktur sowie unterschiedliche regulatorische Voraussetzungen bremsen dort die Marktentwicklung. Europa ist kein einheitlicher Markt ist, sondern wird von drei unterschiedlichen regulatorischen Systemen geprägt: der EU inklusive Norwegen, Island und Malta, dem Vereinigten Königreich sowie der Schweiz. Diese Unterschiede beeinflussen das Tempo der Elektrifizierung maßgeblich.

Markus WILDEIS zu den geplanten Änderungen der EU-CO2-Ziele: „Die geplanten Änderungen der EU stellen langfristig – über 2030 hinaus – einen Schritt dar, bieten jedoch keine ausreichende Lösung für den Zeitraum von 2025 bis 2030 und greifen insgesamt zu kurz. In ihrer aktuellen Ausgestaltung ist das eine große Gefahr für die europäische Industrie, hemmt Investitionen und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa. Besonders im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge fehlt eine marktkonforme und praxistaugliche Regelung. Transformation darf nicht bedeuten, dass in Summe der Gesamtmarkt reduziert wird und der bestehende, überalterte Fahrzeugbestand nicht erneuert wird, denn das Durchschnittsalter des europäischen Fahrzeugparks ist mittlerweile auf fast 13 Jahre angewachsen. Ein solcher Effekt wäre ökologisch wie wirtschaftlich kontraproduktiv und würde Umwelt, Industrie und Beschäftigung gleichermaßen schaden. Auf europäischer Ebene stehen damit bis zu 14 Millionen Arbeitsplätze entlang der automobilen Wertschöpfungskette unter Druck. Dass schlecht austarierte Regulierung erhebliche negative Auswirkungen haben kann, zeigen konkrete Beispiele: Die frühere NoVA-Regelung für leichte Nutzfahrzeuge wurde nicht ohne Grund abgeschafft. Aktuell verdeutlicht der Nutzfahrzeugmarkt in den Niederlanden wie künstliche Eingriffe zu einem Markteinbruch von rund 80 Prozent führen können. Europa braucht daher mehr Flexibilität, realistische Übergangsmodelle und marktorientierte Lösungen. Demokratische Entscheidungsprozesse unterscheiden sich grundlegend von staatlich gesteuerten Systemen wie in China – umso wichtiger ist es, Regulierung gemeinsam mit Industrie, Handel und Kundinnen und Kunden zu entwickeln, statt sie einseitig vorzugeben.“

Bei Stellantis will man Lösungen für alle diese Probleme vor allem mit regionalen Produktionsstätten von Fahrzeugen und Zulieferteilen nach dem Prinzip „from the region, for the region“anbieten. Diese regionale Wertschöpfung stärkt Lieferketten, senkt Risiken und ermöglicht eine hohe Marktnähe. Die Kombination aus globaler Präsenz und regionaler Produktion sieht man als einen wesentlichen strategischer Wettbewerbsvorteil, da in einer zunehmend von globalen Unsicherheiten geprägten Welt „Made in Europe“ weiter massiv an Bedeutung gewinnen wird.

Markus WILDEIS dazu: „Hightech, Qualität und Innovationskraft sind in Österreich und Europa zuhause. Österreich liegt im Herzen Europas – und nur gemeinsam mit Europa sind wir langfristig zukunftssicher. ‚Made in Europe‘ ist ein Wert, der noch nie so wichtig war wie heute. In Europa produzierte Fahrzeuge sichern Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wohlstand – für Europa ebenso wie für Österreich. Dafür stehen wir bei Stellantis.“. Auch aus ökologischer Sicht bietet europäische Fertigung klare Vorteile: Kürzere Transportwege, ambitionierte Umweltauflagen und der steigende Einsatz erneuerbarer Energien in den Werken verbessern die CO₂-Bilanz deutlich – ein Aspekt, der sowohl für Privat- als auch für Flottenkunden immer relevanter wird. Darüber hinaus stärkt „Made in Europe“ die regionale Wirtschaft nachhaltig. Die europäische Automobilindustrie sichert rund 13,8 Millionen Arbeitsplätze, davon etwa 370.000 in Österreich, generiert Steuereinnahmen und treibt Innovation sowie technologische Weiterentwicklung voran.

Recht gut läuft es für die Stellantis Marken Abarth, Alfa Romeo, Citroën, DS Automobiles, FIAT, Jeep®, Peugeot, Opel und die Startup-Marke Leapmotor in Österreich. Letzterer chinesischer leistet laut Wildeis zudem einen Beitrag zur Beschleunigung der Elektromobilität und zur Erneuerung des heimischen Fahrzeugbestands. Dazu Wildeis: „Seit dem Markteintritt im Februar 2025 konnte Leapmotor bereits 35 Handelsstandorte in Österreich eröffnen und monatlich konstant dreistellige Verkaufszahlen melden. Das ist der schnellste Markteintritt einer neuen chinesischen Marke in Österreich.

Stellantis setzt zudem konsequent auf hochmoderne Multi Energy-Plattformen.  Auf ein und derselben Fahrzeugarchitektur lassen sich hier unterschiedliche Antriebsarten – vom klassischen Verbrenner über Hybrid- und Plug-In-Hybridlösungen bis hin zu vollelektrischen Antrieben realisieren. Diese Multi-Energy-Strategie ermöglicht  dem Konzern eine umfassende und damit marktorientierte Elektrifizierung. Mit dem breitesten Elektroangebot am Markt – 40 PKW, 12 Nutzfahrzeugmodelle und 3 Leichtfahrzeuge – bietet das Unternehmen bereits heute leistbare Elektromobilität unter 20.000 Euro. Eine umfassende Modelloffensive im C- und D-Segment mit bis zu 750 Kilometern WLTP-Reichweite sowie neue Hybrid-Antriebe der – 7 – zweiten Generation mit kombinierten Reichweiten von über 1.000 Kilometern sorgen für maximale Wahlfreiheit. Das Portfolio deckt alle relevanten Fahrzeugsegmente ab – vom Kleinwagen über Kombi, SUV und 4×4 bis hin zu Vans.

In Österreich läuft es recht gut für den Großkonzern: mit mehr als 49.000 Kaufverträgen 2025 konnte sich Stellantis Austria in allen Belangen steigern. Davon entfallen 41.503 Kaufverträge auf Neuwagen (PKW + leichte Nutzfahrzeuge). Dies entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2022. Bei den Jungwagen konnten 7.603 Einheiten vermarktet werden. Dies ist eine Steigerung um +275 Prozent versus 2022.

Für 2026 prognostiziert Stellantis Austria einen Markt von 290.000 bis 305.000 Einheiten bei den PKW und 40.000 bis 45.000 Einheiten leichter Nutzfahrzeuge inkl. Camper.  2026 wird man insgesamt 21 neue Modelle auf den Markt bringen

  • Abarth 600e Competizione*
  • Alfa Romeo Tonale
  • Citroën C5 Aircross
  • DS No. 4
  • Ein weiterer neuer DS
  • Fiat 500 Ibrida*
  • Fiat Qubo L*
  • Zwei weitere komplett neue FIAT Modelle
  • Jeep® Compass
  • Jeep® Recon*
  • Jeep® Wagoneer S*
  • Opel Astra
  • Opel Astra Sportstourer
  • Opel Mokka GSE*
  • Peugeot E-208 GTI*
  • Peugeot 308
  • Peugeot 308 SW
  • Peugeot 408*
  • Leapmotor B05*
  • Leapmotor B03X*

Dazu Markus Wildeis: „Die 2025 begonnene Modelloffensive setzen wir auch 2026 fort. 21 neue Modelle sind eine klare Ansage an den Markt und spiegeln die Kraft und die Attraktivität unserer ikonischen Automobilmarken wider.“ Keine Aussage konnte Wildeis zur Frage, ob man auch die Traditionsmarke Lancia 2026 wiederbeleben wird, machen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt….

 

Franz Farkas

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