Wir nehmen Abschied von Franz Farkas, einem Menschen, der in der Welt der Mobilität weit mehr war als ein erfahrener Journalist, Techniker und Kenner der Szene. Franz war ein leidenschaftlicher Erzähler, ein genauer Beobachter, ein kritischer Geist, ein Freund vieler Wegbegleiter — und jemand, der das Unterwegssein nicht nur beschrieben, sondern wirklich gelebt hat.
Wer Franz kannte, wusste: Stillstand war nicht seine Sache. Es gab immer etwas zu tun, etwas zu reparieren, etwas zu testen, etwas zu schreiben oder irgendwohin zu fahren. Motorräder, Autos, Reisen, Technik, Menschen und Geschichten — all das gehörte bei ihm zusammen. Franz war jahrzehntelang auf Achse, im besten Sinn des Wortes: neugierig, wach, meinungsstark, humorvoll und mit einer Begeisterung, die andere mitreißen konnte.
Geboren 1956 in Wien, wuchs Franz im Reismannhof auf. Seine Herkunft, seine Familie und sein frühes Umfeld prägten ihn. Schon als Kind war er lebhaft, interessiert und voller Energie. Nach der Schule führte ihn sein Weg an die HTL in der Schellinggasse, Fachrichtung Nachrichtentechnik. Damit war der technische Grundstein gelegt — und Technik sollte ihn sein Leben lang begleiten.
Seine berufliche Laufbahn begann Franz bei der Post und Telekom. Er arbeitete in technischen Bereichen, beschäftigte sich mit Funkanlagen, Vermittlungstechnik und später mit Mobilfunk. In einer Zeit, in der der österreichische Mobilfunksektor noch im Aufbau war, war Franz bereits mittendrin. Er war ein Fachmann, jemand, der sich auskannte, Verantwortung übernahm und mit technischem Verständnis ebenso beeindruckte wie mit seiner Fähigkeit, Zusammenhänge klar zu erklären. Später war er bei der mobilkom austria, der heutigen A1, tätig und betreute zentrale Themen rund um Systeme und Abrechnung.
Doch so sehr ihn Technik faszinierte: Seine große Liebe galt der Mobilität auf zwei und vier Rädern.
Schon früh zog es Franz zu Motorrädern, Autos und zum Motorsport. Diese Leidenschaft war keine Nebenbeschäftigung, sondern ein wesentlicher Teil seines Lebens. Mitte der 1980er-Jahre begann er als freier Motorjournalist zu schreiben. Ein früher Höhepunkt war sein Beitrag über die damals neue und revolutionäre Suzuki GSX-R 750, die er gemeinsam mit seinem Bruder Helmut früher als viele andere deutschsprachige Medien fahren und beschreiben konnte. Dieser Artikel wurde zu einem journalistischen Durchbruch.
Von da an war Franz in der österreichischen und deutschsprachigen Motorrad- und Oldtimer-Szene eine feste Größe. Er schrieb für zahlreiche Medien, berichtete, testete, kommentierte und erzählte. Dabei war er nie ein Journalist, der bloß Datenblätter abarbeitete. Franz wollte verstehen, was ein Fahrzeug ausmacht. Ihn interessierten Technik, Charakter, Geschichte und die Menschen dahinter. Er schrieb mit Erfahrung, mit Haltung und mit jener unverwechselbaren Mischung aus Fachwissen, Begeisterung und Wiener Schmäh, die seine Texte und Gespräche so besonders machte.
Franz konnte erzählen. Und wie er erzählen konnte. Wer einmal mit ihm über Motorräder, Reisen, frühere Tests, technische Eigenheiten oder kuriose Begegnungen gesprochen hatte, wusste: Eine kurze Antwort war selten. Seine Geschichten hatten Tempo, Farbe und oft mehrere Varianten. Sie kamen aus einem Leben, das reich war an Erlebnissen — aus Werkstätten, Redaktionen, Testfahrten, Präsentationen, Reisen und aus unzähligen Gesprächen mit Menschen, die seine Leidenschaft teilten.
Dabei war Franz kein glatter Mensch, und gerade das machte ihn aus. Er hatte Ecken und Kanten, klare Ansichten und manchmal auch den typisch wienerischen Grant. Er konnte sich beschweren, zweifeln, kritisch sein und Dinge beim Namen nennen. Aber hinter dieser direkten Art steckte immer ein wacher, lebenszugewandter Mensch. Einer, der neugierig blieb. Einer, der sich begeistern konnte. Einer, der lieber etwas erlebte, als bloß darüber zu reden.
Seine Energie war beeindruckend. Neben Beruf, Familie und journalistischer Arbeit blieb immer noch Raum für neue Projekte. Gemeinsam mit seinem Bruder und Freunden gründete er sogar ein eigenes Motorrad-Rennteam. Auch nach schweren Rückschlägen verlor Franz seine Leidenschaft nicht. Ein schwerer Motorradunfall im Jahr 2002 konnte ihn nicht von dem abbringen, was ihn im Innersten ausmachte. Franz kämpfte sich zurück — mit jener Mischung aus Sturheit, Humor und Lebenswillen, die viele an ihm kannten und schätzten.
Privat war Franz ein Familienmensch. Mit seiner Frau Karin verband ihn nicht nur ein gemeinsamer Lebensweg, sondern auch die Freude am Reisen, am Skifahren und an Motorradtouren. Seine Söhne Armin und Alexander begleiteten ihn auf ihre Weise durchs Leben. Auf sie war Franz stolz, und vieles von seiner Energie, seiner Neugier und seiner Eigenwilligkeit lebt in ihnen weiter.
Für Kolleginnen, Kollegen und Freunde war Franz ein besonderer Mensch. Einer, mit dem man arbeiten, diskutieren, lachen und streiten konnte. Einer, der verlässlich war, wenn es darauf ankam. Einer, der Spuren hinterließ — nicht nur in Artikeln und Magazinen, sondern vor allem in Erinnerungen.
Bis zuletzt blieb Franz seiner Leidenschaft treu. Selbst im Krankenhaus schrieb er noch an seiner letzten Kolumne für das Motorradmagazin. Es ist ein leises, aber starkes Bild: Franz, der weiterschreibt, weil Geschichten erzählt werden wollen. Weil Mobilität für ihn nie bloß ein Thema war, sondern ein Lebensgefühl.
Franz Farkas verstarb 2026 im 70. Lebensjahr. Wir verlieren mit ihm einen profunden Kenner der Mobilitätswelt, einen leidenschaftlichen Motorjournalisten, einen Techniker mit Herz und Hirn — und vor allem einen Menschen, der das Leben mit Tempo, Neugier und Humor genommen hat.
Lieber Franz, danke für deine Geschichten.
Danke für deine Begeisterung.
Danke für deine Freundschaft, deine Haltung und die vielen gemeinsamen Momente.
Und du wirst uns fehlen.
