Luxus-Vans sind eine Domäne von Mercedes, wohl fast jedes Oberklassen-Hotel oder Taxi-Unternehmen, das was auf sich hält, hat mindestens einen der noblen Personen-Transporter mit dem Stern am Grill im Fuhrpark. Damit sich die Passagiere auch in Zimmerlautstärke unterhalten oder dezente Musik genießen können, ist auch eine gute Dämpfung zum Innenraum oder ein leise arbeitender Antrieb von Vorteil. Kein Van kann das besser als einer mit E-Motor. Wie zum Beispiel der EQV 300 von Mercedes-Benz.
Seit 2020 ist der EQV am Markt, die Plattform stammt vom Verbenner, zu einer eigenen E-Plattform für die Vans konnte man sich noch nicht durchringen. Im Prinzip kein Nachteil, denn die Platzverhältnisse sind auch mit dem E-Antrieb samt Akku kaum oder gar nicht eingeschränkt.
Optisch ist der E-Van kaum von den Verbrenner -Versionen zu unterscheiden, die Linie ist nach dem Prinzip „Form follows Function geradlinig funktional gezeichnet. Ein besonderes Merkmal ist der beleuchtete Kühlergrill, der EQV sieht damit ein bisschen mehr wie seine E-Auto-Kollegen aus, mit geschlossener „Black Panel“-Front mit beleuchteter Umrandung. Nur leicht geändert wurde beim letzten Facelift das Heck mit neu gezeichneten LED-Leuchten und einem Chromzierstab mit Mercedes-Benz-Schriftzug. Einen Frunk gibt es weiterhin nicht.
Im Innenraum zeigt sich wofür der Van geschaffen wurde: viel Platz für die Passagiere zu bieten. Das Raumangebot ist enorm, ein flexibles Sitzschienenkonzept, das auch den Einbau der Sitze gegen die Fahrtrichtung erlaubt, kommt noch hinzu. Dazu kommt ein Ladevolumen von 1.30 Litern bei normaler Bestuhlung, werden die Fondsitze demontiert, sind es 4.630 Liter. Zudem verfügt der EQV über eine Dachlast von 150 Kilogramm, vorausgesetzt, man hat die optional erhältliche Reling montiert.
Die bei unserem Testfahrzeug schwarze Lederausstattung schafft eine angenehme, wenn auch etwas dunkle Atmosphäre, wirkt aber überaus elegant und verstrahlt so etwas wie Lounge-Feeling. Dazu kommt noch eine Ambientebeleuchtung mit zahlreichen Farbstufen. Ebenfalls elegant das Cockpit mit dem sogenannten Widescreen, der den Info-Schirm hinter dem Lenkrad mit dem mittleren Toch-Screen verbindet. Dieser ist relativ schwer zu bedienen, weil weit vom Fahrer entfernt. Dafür gibt es ein Touch Pad, das zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber eine Bedienung erlaubt, ohne dass man sich verrenken muss. Möglichkeiten zur Bedienung gibt es auch am Lenkrad, aber das ist nicht gerade einfach. Positiv: die wichtigsten Funktionen wie etwa die Bedienung der Klimaanlage und weiteres lassen sich über eine Knopfleiste unter dem Schirm bedienen.
Gut bedienen lassen sich natürlich auch die elektrischen Schiebetüren links und rechts sowie die elektrische Heckklappe, gerade für den Shuttle-oder Taxibetrieb, aber auch bei größeren Familien ein willkommenes Extra.
Den Antrieb des EQV 300 besorgt ein Elektromotor mit 150 kW Leistung, die Kraft wird über die Vorderräder übertragen, Allrad ist (noch) nicht erhältlich. Im Fahrbetrieb gibt sich der Van eher unspektakulär, die Leistungsabgabe erfolgt sanft und gleichmäßig, ideal für ein Fahrzeug dieser Größe und für den vorgesehenen Einsatzzweck. Das Fahrwerk ist erwartungsgemäß eher auf der komfortablen Seite, nur schnell gefahrene Kurven quittiert der Mercedes mit merkbaren Karosserieneigungen. Die Lenkung ist nicht sehr direkt, aber durchaus präzise, genau richtig für entspanntes Dahingleiten.
Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 160 km/h abgeriegelt, das ist mehr als genug in unsren Breiten, schnellere Fahrweise würden wohl auch die meisten Passgiere nicht wollen und es würde auch die Reichweite stark beeinträchtigen. Das Geräusch zum Innenraum ist wie erwartet, angenehm leise. Die kombinierte Reichweite gibt Mercedes mit bis zu 355 Kilometern nach WLTP an, bei einem kombinierten Verbrauch von 27,9 kWh auf 100 Kilometern. Das sind durchaus gute Werte für ein Fahrzeug dieser Größe, doch in der Praxis hängt die reale Reichweite stark vom Tempo, aber auch von der Außentemperatur ab. Auf der Autobahn etwa reduziert sich der Aktionsradius spürbar, vor allem bei winterlichen Bedingungen oder voller Beladung. Bei unserem Test auf unterschiedlichen Strecken lag die Reichweite eher bei 250 Kilometern, bei zurückhaltender Fahrweise könnten wohl auch knapp 300 drin sein. Die Ladeleistung liegt bei maximal 110 kW im DC-Betrieb, womit der EQV unter guten Bedingungen in etwa 35 bis 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt. Im AC-Betrieb lädt der EQV mit 11 kW, was für regelmäßige Heim- oder Depotladung ausreichend ist.
Preislich bewegt sich der EQV 300 lang im Premiumsegment, allerdings gibt es derzeit viele Nachlässe, vor allem auf die sonst sehr lange Sonderausstattungsliste. So kommt unser Tester, den wir eigentlich mit einer sechsstelligen Summe erwartet hatten, nach der derzeitigen Preisliste nach unseren Recherchen auf „nur“ etwas über 78 Tausender.
Darin enthalten sind zahlreiche Komfort- und Assistenzsysteme wie das Fahrassistenzpaket, die 360-Grad-Kamera, das Burmester-Soundsystem, die elektrischen Schiebetüren und der beleuchtete Kühlergrill.
Fazit: Für gewerbliche Kunden oder Familien mit hohem Platzbedarf ist der EQV sicher in die engere Wahl zu ziehen, im Alltagsbetrieb ist er ein wirklich angenehmer Partner, der vor allem durch seinen Innenraum, seine Verarbeitung und seinen entspannten Fahrcharakter überzeugt. Die Technik ist allerdings nicht mehr auf dem allerletzten Stand, doch noch für heuer verspricht Mercedes eine neue Plattform, die sicher mehr Reichweite bieten wird, allerdings wohl auch zu einem weit höheren Preis.
![]() ![]()
Der Wagen befindet sich in der Energieeffizienzklasse A+. Das bedeutet, dass das Auto durchschnittlich weniger als 37% CO2 ausstößt als ein vergleichbarer Wagen mit 2860kg . Für die Berchnung ist nur das Gewicht des Wagens, nicht aber die Leistung (kW/PS) relevant. Dieser Wert sagt nichts über den Verbrauch (Liter/100km oder kwh/100km) des Wagens aus. Der Wert zeigt nur, dass der Wagen im Vergleich zu einem Wagen mit identischen Gewicht mehr oder weniger Treibstoff benötigt. |








