Gerhard Rösner ist in der österreichischen Tuning Szene schon lange kein Unbekannter mehr. Hatte doch der niederösterreichische Schräglagen König Martin Bauer mit einer unverschämt schnellen Kawasaki ZX-9 R 2001 weit vorne in der deutschen Superstock Meisterschaft mitgemischt und das obwohl die große „Grüne“ unter Insidern nicht unbedingt zur besten Basis zählt. Nach einer Denkpause und einer Konsolidierung seines Geschäftes widmet sich Rösner heuer wieder ganz dem Tuning. Die neusten Babies sind eine Kawasaki ZX 6 RR und eine Suzuki GSX-R 600, die für zwei junge Fahrer und die österreichische Meisterschaft aufgebaut wurden. MSI durfte beide Renner ausgiebig und exklusiv am winkeligen Panonnia-Ring testen.

Auch wenn die österreichische Meisterschaft nicht unbedingt die größte Aussagekraft besitzt und am laufenden Band internationale Talente hervorbringt, haben sich die Bedingungen in den letzten Jahren wesentlich geändert. Die Zeiten, wo man auf eigener Achse mit einem Ersatzreifen hinten aufgeschnallt und dem Racing Endtopf im Rucksack zum Rennen fuhr, kennen nur mehr Hans Bahmer und seine Triumph Club Mannen, auch hierzulande wird bereits eine Aufwand getrieben, der den Vergleich mit wesentlich mehr motorradbegeisterten Nationen nicht mehr zu scheuen braucht. Dies wird auch beim ersten Betrachten der beiden Rösner –Bikes klar, die in Bad Vöslau für die Jung-Talente Clemens Pelzl und Gili Adlmaier aufgebaut wurden. Das satten Grün lässt vorerst zwei Kawas vermuten, doch der zweite Blick entlarvt eine geschickt getarnte Suzuki GSX-R 600, die neben einer aktuellen ZX 6 RR am Rennständer steht. Obwohl die Suzuki nicht mehr zum brandaktuellen Material gehört, ist sie, (wie auch die Supersport-WM zeigt) durchaus konkurrenzfähig. Rösner sieht in diesem Motorrad sogar bis zu einem gewissen Grad die besseren Anlagen zur Leistungsfindung als etwa bei der 2003er Kawasaki, die für viele derzeit das Maß der Dinge in der 600erter Klasse darstellt. Allerdings musste sich das Motorrad tiefgreifende Änderungen gefallen lassen. So wurde der Zylinderkopf auf der hauseigenen Flow Bench überarbeitet. Dazu wurden nach langen Versuchen Nockenprofile selbst gezeichnet und danach Nockenwellen geordert. Geändert wurde auch die Drosselklappensteuerung und der Motor penibel abgestimmt. Das Ergebnis sind standfeste 120 PS am Hinterrad, eine Leistung, die auch die Kawasaki von Clemens aufweisen kann. Auch hier wurde der Kopf in Arbeit genommen, nur ist hier nach Ansicht von Gerhard Rösner nicht mehr soviel „herauszuholen“. Zusammen mit der offen programmierbaren Kit Box, die es erlaubt die Einspritzung in jeden Drehzahlbereich mittels Mausklick am Laptop zu optimieren und einer ebenfalls aus dem Racing Kit stammenden Nockenwelle ist die Kawasaki ebenfalls konkurrenzfähig. Die bei unseren Tests aufgetretenen thermischen Probleme sind mit einem größeren Kühler in den Griff zu bekommen, Rösner ist schon dabei, diesen zu besorgen.

Die Abstimmung der Fahrwerke beschreibt der Tuner auf eine recht einfache Weise mit „Ich habe einfach ein paar Öhlins-Teile genommen und sie mit den original schon recht guten Komponenten kombiniert.“ Was wie ein einfaches Kochrezept klingt ist in der Praxis eine elendiglich harte Arbeit, die zusammen mit dem Fahrer erledigt werden muss.

Nach außen hin manifestiert sich das Fahrwerkstuning lediglich in der Montage je eines Lenkungsdämpfers, die wirklichen Unterschiede konnte unser Track-Spezialist Gerhard Schwarz, der mit jedem der beiden Motorräder einige Runden absolvierte, feststellen. Nach einigen Runden , die wie gewohnt präzise und nicht gerade langsam ausfielen, war der eigentlich an größere Kaliber gewöhnte Redaktions-Umleger schwer beeindruckt sowohl vom Handling als auch von der Performance der Mittelklasse-Bikes. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit konnten trotz selbst auferlegter Zurückhaltung (immerhin stehen wir noch am Anfang der Saison und die Jungs brauchen ihr Motorräder noch) war Gerhard recht flott unterwegs und nur schwer zu bewegen, wieder die Boxengasse aufzusuchen. Der absolute Spaßfaktor ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeiten der beiden Motorräder. Gerade hier zeigt sich die Entwicklung der von den Japanern sehr ernst genommenen Klasse sehr deutlich. Die Kawasaki als letzte Stufe dieser Evolution gibt ihre Leistung eher gutmütig über einen breiten Drehzahlbereich ab und verzeiht auch schnelles Herunterschalten vor dem Kurveneingang dank der serienmäßigen Anti Hopping Clutch. Bei der schon in die Jahre gekommenen GSX-R funktioniert der Gasgriff eher wie ein Schalter. „Die Leistungsabgabe ist hier fast als digital zu bezeichnen, entweder gibt es nichts oder Alles“ war der erste Kommentar von Schwarz. Gerhard Rösner weiß das und arbeitet auch schon daran, Gilli Adlmaier kommt aber offensichtlich ganz gut damit zurecht, immerhin kann er am Panonnia-Ring Zeiten um 1,01 realisieren. Auch die eher brettharte Abstimmung der Federelemente will der junge Pilot genau so und nicht anders. Clemens Pelzl dagegen bevorzugt eine eher weichere Abstimmung, so wurde das eigentlich ursprünglich recht straffe Setup der ZX 6 RR seinen Wünschen entsprechend modifiziert. Alles in allem ist die Kawa etwas einfacher zu bewegen und ist von Beginn an für schnelle Rundenzeiten gut, die Suzuki dagegen verlangt nach mehr Eingewöhnung und einer gefühlvollen Gashand. Für Spitzenplätze sind wohl beide Räder gut, wir werden sehen was die Saison bringt.

FahrzeugeMotorradKawasakiTrack Test Rösner Kawasaki ZX 6 RR/ Suzuki GSX-R 600 – Grünes Doppel